Warum ist eigentlich das UFC und alle ähnliche TV-Shows in den USA so erfolgreich?
ULTIMATE FIGHTER 5 auf SPYKE TV erreichte die höchste Zuschauerzahl zwischen dem Alter von 18 bis 49 Jahren, wie keine andere Fight und Boxing Show. Über 2.6 Millionen TV Zuschauer waren vor der Glotze! Man könnte doch fast denken, dass das MMA heute sicher zu den erfolgreichsten Entertainment-Shows zählen würde – doch viele US-TV Experten und Sportpsychologen sind da ganz anderer Meinung.
MMA (Mixed Martial Arts, auf Deutsch „Gemischte Kampfsportarten“) ist das neue Wort: in fast allen möglichen Amerikanischen und Europäischen Kampfsportzeitschriften besteht mindestens die Hälfte der Hefte mit MMA und MMA-relevanten Artikeln zugedeckt. Man beobachte das Amerikanische “GRAPPLING ULTIMATE”, was anfangs ein BJJ Heft war – ist heute ein (fast) reines NHB/MMA Magazine. Und doch glauben die Fachexperten aus dem Bereich Sport, dass das MMA nur einfach wieder ein Produkt sei, welches bald schon wieder verschwinden wird; es passe einfache zurzeit ins TV-daily business! Grund sei auch, dass man MMA (sowie alle anderen Sportarten) als Fan praktizieren und nicht nur als Zuschauer geniessen wolle. Doch die MMA Fighters (so einige Experten in Interviews) würden mit Ihren Bodybuilder-Bodies die Menschen eher abschrecken als zum Training einladen; für die Laien sei es oft schwer zu sehen, wo nun wirklich Muskelkraft oder Technik den Gewinner zum triumphieren bringen würde.
In den verschiedensten Amerikanischen Gyms, dass sehe ich selbst wenn ich wieder in Los Angeles bin, bieten fast alle eine Mischung aus MMA, was auch immer sie selbst darunter verstehen! Selbst Hard-core Stockkämpfer aus den Philippinen, schwingen sich nicht nur den Stock voll zum Kopf, sondern grapplen nun auch mit ihren Eskrima-Stöcke am Boden. Ob das noch gesund sei, sei hier dahingestellt, was aber sicher ist: einigen macht es richtig Spass sonst würden sie es vermutlich nicht tun!!
In den USA gibt es seit einiger Zeit unzählige Fight Events und Fight Dokus. Was sicher doch eine positive Seite hat, denn endlich werden wir zur Show gestellt ;o) Endlich können wir unsere animalischen Instinkte :o)) nicht nur selbst auf der Matte ausleben, sondern sie sogar zeigen :o))) und dann noch mit Hunderten von Ungläubigen diskutieren :oD … und so hatte ich wieder einmal innert zwei Wochen 66 (sechs und sechzig) Emails von Leuten die mir zum Beispiel fragten, ob wir den auch so „krass uns in die Frese hauen?“, und “wieviel den man eigentlich einstecken könne?”, nebst den üblichen Emails wie: „Ist Aikido besser als BJJ?“ – Ich könnte diesen Bericht mit Hunderten von solchen (für mich idiotischen) Fragen füllen, doch das will ich Euch heute nicht antun. Deshalb beantworte ich heute selbst eigentlich keine solche Emails mehr, dass mache ich lieber indem ich einfach mit meiner linken Maustastatur die Mails gleich in den Papierkorb verschiebe… ist schneller und effizienter.
Eine weitere häufige Frage will ich dennoch heute kurz hier angehen, die oft von unseren Grappling-Kollegen (Judokas und Ringer) gestellt wird: Wo liegt der Unterschied zwischen dem BJJ und dem Judo?
- Ich glaube, dass wir das BJJ als eine Mischung aus Jiu-Jitsu, Judo, Ringen und Sambo erklären sollten. Denn auch wenn Maeda die Gracies trainiert hat – insbesondere Carlos Gracie und sein Bruder Oswaldo – war das damalige “Maeda Jiu-Jitsu” schon eine Mischung aus Judo (also Wettkampf-/Wurftechniken) und Jiu-Jitsu (Selbstverteidigungstechniken, die damals noch aus dem japanischem Haus des Jiu-Jitsu stammen und nicht was die Judo-Verbände in der schweiz heute als JJ verkaufen, was wiederum eine “eigene” Mischung aus Karate, Aikido und Judo ist).
- Später als es zum “Gracie Jiu-Jitsu” wurde, mit der offiziellen Gründung der ersten BJJ Schule in Rio 1925, wurde die Gracie Akademie ein lebendiges Forschungsinstitut, wie es uns unser Mestre Reyson Gracie (einer der ältesten Söhne von Carlos Gracie, der seine Ausbildung bei seinem Onkel Hélio Gracie geniessen durfte) am besten erklären konnte.
- Nachdem Carlos Gracie nur noch die Kämpfe seines Bruders Hélio organisierte und managte, wurde Mestre Hélio die wichtigste Figur an der Gracie Akademie, denn er änderte nicht nur unzählige Techniken aus dem Maeda Jiu-Jitsu sondern entwickelte auch neue eigene, um so das Gracie Jiu-Jitsu realistischer und effizienter zu machen.
- Dazu gehörten auch die Vale-Tudo (die (fast) Regellosen Wettkampfturniere), die Teilnahme der Gracies an Judo, Sambo und Ringwettkämpfe. Was man brauchen konnte nahm man auf und man entwickelte es auch weiter, damit es im eigenen GJJ auch sinnvoll war. Viele der modernen MMA Schulen haben heute kein richtiges System (Unterrichtsmethode), sondern mixen sich selbst die Techniken, was natürlich im GJJ niemals so war.
(Roger Gracie on Franco - Joelho na Barriga) www.rogergracie.com
- Im GJJ oder eben auch BJJ, kämpft man auch gerne aus Positionen die im Judo nicht mehr erlaubt sind, zum Beispiel aus der Hiza-Guruma (Knie auf dem Bauch) oder aus der Guard Position, dies ist heute fast undenkbar, den die Zeit dafür ist oft zu knapp - zumindest in den Profikämpfen.
- Ich glaube, das wir den Spirit des wahren BJJ (aka GJJ) durch ein besseres Wettkampfsystem schützen müssen, denn durch das heutige Wettkampfsystem der CBJJ (Bras. JJ Konföderation) - könnte das BJJ bald zu einem Judo Grappling mutieren. Zu kompliziertes Punktesystem welche die Zuschauer gar nicht verstehen, vorallem wenn sie das BJJ nicht praktizieren, und desweiteren die Zeitlimite engt jeden Kämpfer extrem ein. Ausserdem sollte es nicht so viele Wettkampfsklassen geben, damit auch es näher zur Realität stehen würde. Ich glaube, dass heute kaum noch jemand das Judo als Selbstverteidigung sieht, sondern Judo steht für ein moderner Zweikampf welches durch “saubere” Wurftechniken den einen Athleten zum Gewinner entscheidet. Im BJJ/GJJ bleibt jedoch im Vordergrund immer noch die Selbstverteidigung, und der sportliche Wettkampf als Ergänzung.
- Nicht zuletzt, sollte man auch erwähnen, dass wer echtes GJJ trainiert – der trainiert auch alle Aspekte dieser grossartigen Kunst. Man limitiert sich indem man nur noch einen Aspekt trainieren würde, wodurch auch das eigene GJJ Wissen sich limitieren würde.
Was das MMA betrifft, bin ich der Meinung, dass jeder MMA Fighter der auch eine gute Basis im BJJ hat, ist und bleibt der bessere Allrounder. Das haben meiner Meinung nach grosse Fighters wie Fabricio Werdum, Gabriel Gonzaga, Royce Gracie, Renzo Gracie uva. mehrmals bewiesen. Auch die MMA Grössen wie Marco Ruas und Wanderlei Silva, sind ins BJJ zurückgekehrt und haben sich hier von BJJ Experten unterrichten lassen.
Ganz klar, als MMA Fighter ist man nur mit BJJ nicht komplett, aber die Basis macht den Unterschied. Deshalb trainieren die meisten MMA Grössen entweder MuayThai und/oder Boxen und Ringen, doch immer als BJJ Fighter.
Für diejenigen aber, die unser Sport doch ein bisschen zu hart sein sollte, der könnte sich ja doch noch umsehen und es auch mit einer anderen Variante des Kämpfens ausprobieren, wie beispielsweise die netten Damen aus den USA in diesem Clip (Just for Fun)
Bis bald auf dem Tatame!
Franco
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